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Published in «Vorarlberger News» 
Bregenz Austria, (VN-ag)
Essay on the Solo Show «Rockstars»
at Galerie Lisi Hämmerle in
Bregenz Austria, 2014
English translation by Peter Kienzle


Primitive rocks against transcience

Gen Atem and Miriam Bossard
at the Galerie Lisi Hämmerle



Graffiti and Zen

There are obvious reasons for the two artists from Zurich for naming their first exhibition in Bregenz, and Austria in general, «Rock Stars». Hung in pairs, but not necessarily associated, Gen Atem and Miriam Bossard show large format black and white digital photographic prints on canvas, presenting in alternating order rock formations and rock stars, reworked by the artists with color pours from red to brown respectively white. Besides the glamour and the coolness the title «Rock Stars» lays claim to, there are queries behind this portrait series about identity and transcience. What is eternal? That's what Gen Atem (*1967) and Miriam Bossard (*1969) aim to find out, feeding their inspiration from various sources such as accumulated materials and zen meditation. However, artistically it started differently altogether. In the early 1980s, after first encountering hiphop culture and being active as a graffiti writer, Gen Atem gets a nom de plume for himself (only «Gen» at the time). 1983, when police are still clueless about graffiti, he does his first trainbombing, in bright daylight no less. In 1986 he travels to New York for the first time and then time and time again, where he soon gets in touch with the graffiti scene and the so-called «oldschool writers». And it’s there that the famous musician and graffitti artist Rammellzee becomes his mentor. 


Between performance und ritual

New York also represents the connection to Miriam Bossard, who graduated there in the 1990s with a Master of Fine Arts in Graphic Design. Collected material from numerous international stays and the principle of collage, putting separate components seemingly random into new relations, determine her artistic oeuvre. In the current cooperation Miriam Bossard contributed the «rocks», and thus she sent her works on a new journey. In contrast, Gen Atem has undertaken a journey into the self. Getting to the bottom of these questions, the former graffiti artist ended up at meditation and in a Buddhist monastery, he stopped making art for seven years, and then got back into it with the question for identity. For several years portraits in the style of «Rock Stars» develop, which Gen identifies as «Ikonoclast Futurism» or «Meditated Vandalism». Between overthrowing false gods and vandalism, between action and ritual reminiscent of Hermann Nitsch, the imagery of the artist couple attacks perception as an alleged destructive act. They undermine the claim of the eternal by identifying aspects of vulnerability. Rocks that are imperishable, and stars that shine forever? For Gen Atem and Miriam Bossard these questions which cannot be answered lead to images «of an amazingly beautiful tragedy of vanitas».



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Urgesteine gegen die Vergänglichkeit

Gen Atem und Miriam Bossard
in der Galerie Lisi Hämmerle


Graffiti und Zen

Dass die beiden in Zürich lebenden Künstler ihre erste Ausstellung in Bregenz und auch in Österreich „Rock Stars“ nennen, hat offensichtliche Gründe. Paarweise angeordnet, aber nicht zwingend zusammengehörend, zeigen Gen Atem und Miriam Bossard großformatige Schwarz-Weiß-Fotos als Digitaldrucke auf Leinwand, die abwechselnd Felsformationen (Rocks) und Rockmusikgrößen (Stars) vorstellen, und von den Künstlern mit Farbschüttungen von Rot bis Braun bzw. Weiß überarbeitet wurden. Neben dem Glamour und der Coolness, die der Titel „Rock Stars“ für sich beansprucht, stehen hinter der Porträtreihe aber auch Fragen nach Identität und Vergänglichkeit. Was ist ewig? wollen Gen Atem (1967) und Miriam Bossard (1969) wissen und speisen ihre Inspiration aus so unterschiedlichen Quellen wie Materialsammlungen und Zen-Meditation. Künstlerisch begonnen hat aber alles ganz anders. In den frühen 1980ern erstmals mit der Hip-Hop-Kultur in Berührung gekommen und als Sprayer aktiv, legt sich Gen Atem seinen Künstlernamen (damals nur „Gen“) zu. 1983, als die Polizei noch keine Ahnung von Graffiti hat, besprüht Gen tagsüber (!) seinen ersten Zug in Zürich, reist 1986 erstmals und dann immer wieder nach New York, wo er alsbald Kontakt mit der Graffiti-Szene und den sogenannten „Oldschool Writers“ hatte und der bekannte Musiker und Graffiti-Künstler Rammellzee zu seinem Mentor wurde.



Zwischen Aktion und Ritual

New York stellt auch die Verbindung zu Miriam Bossard dar, die dort in den 1990ern ihren Master of Fine Arts in Graphic Design absolvierte. Während zahlreicher internationaler Aufenthalte gesammeltes Material und das Prinzip der Collage, das Einzelteile wie zufällig in neue Beziehungen zueinander setzt, bestimmen das Schaffen der Künstlerin. In der aktuellen Kooperation hat Miriam Bossard die „Rocks“ beigesteuert, und ihre Werke dadurch auf eine neue Reise geschickt. Auf eine Reise ins Selbst hat sich dagegen Gen Atem begeben. Den Fragen auf den Grund gehend, landet der einstige Graffiti-Künstler bei der Meditation und in einem buddhistischen Kloster, unterbricht das Kunstmachen für sieben Jahre, und steigt mit der Frage nach der Identität wieder ein. So entstehen seit einigen Jahren Porträtserien in der Manier von „Rock Stars“, die Gen Atem „Ikonoklast Futurism“ oder „Meditated Vandalism“ nennt. Zwischen Götzensturm und Vandalismus, zwischen Aktion und Ritual, das beispielsweise auch an einen Hermann Nitsch erinnert, attackiert die Bildpraxis des Künstlerpaares als vermeintlicher Akt der Zerstörung die Wahrnehmung. Den Anspruch des Ewigen unterlaufen sie, indem sie Aspekte der Verletzlichkeit aufzeigen. Felsen, die unvergänglich sind, und Sterne, die ewig leuchten? Bei Gen Atem und Miriam Bossard münden diese Fragen, auf die es keine Antworten gibt, in die Bilder „einer wunderbar schönen Tragödie der Vergänglichkeit“.



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